Spezielle Filialkonzepte für junge Menschen gewinnen in der Sparkassen-Finanzgruppe zunehmend an Bedeutung. Sie stehen für neue Wege in der Ansprache, die sich konsequent an den Lebenswelten junger Generationen orientieren – mit einem stärkeren Fokus auf Begegnung, Begleitung und finanzielle Bildung. Wie ein solcher Ansatz konkret aussehen kann und welchen Mehrwert er für junge Kunden bietet, zeigt das Beispiel der „barer41“ der Stadtsparkasse München im Univiertel der Maxvorstadt.
Jonas ist überrascht. Eigentlich wollte er nur mal vorbeischauen, ein Freund hatte ihm von einer ehemaligen Filiale im Univiertel erzählt. Doch was der 22-jährige Student in der Barer Straße 41 sieht, hat mit dem Bild, das er bisher von einer Sparkasse hatte, wenig zu tun. Es gibt keine Schalter und keine typische Filialatmosphäre. Stattdessen gibt es eine offene Fläche, eine Café-Theke statt eines Bankschalters, bequeme Sessel, Studierende mit Laptops und junge Sparkassenmitarbeitende in Hoodies mit Logo statt im Anzug. Wände und Säulen sind dunkelgrün gekachelt, Leitungen und Rohre laufen frei unter der Decke. Bekannt ist nur das Sparkassen-Rot: Deckenbalken, Sofas, Servietten und sogar die Kacheln der Toiletten sind in der prägnanten Farbe gestaltet.
»Ich dachte erst, ich bin im falschen Gebäude.«
Student und heutiger „barer41“-Kunde
„Ich dachte erst, ich bin im falschen Gebäude“, bekannte Jonas, der nach diesem ersten Besuch inzwischen auch Sparkassen-Kunde geworden ist. „Das fühlte sich eher an wie ein Café als wie eine Bank.“
Was Jonas erlebte, ist gewollt. Mit der „barer41“ – der Name ist schlicht die Adresse – geht die Stadtsparkasse München bewusst neue Wege, um junge Menschen anzusprechen. Die im Februar 2024 eröffnete „Filiale“ richtet sich vor allem an Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger. Sie versteht sich weniger als klassische Bankfiliale, sondern als Ort der Begegnung, der Orientierung und der finanziellen Bildung.
Ein Raum für Austausch und Orientierung
Die Lage im Münchner Univiertel ist kein Zufall. Hier, zwischen Hörsälen, Bibliotheken und Cafés, ist der Alltag der Zielgruppe. Die „barer41“ fügt sich bewusst in dieses Umfeld ein. Auf rund 240 Quadratmetern ist auf der Grundlage einer alten, traditionellen Filiale durch einen Totalumbau neuer Raum entstanden, der flexibel genutzt werden kann: für Gespräche, für konzentriertes Arbeiten oder für Veranstaltungen mit bis zu 60 Personen. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem junge Menschen sich wohlfühlen und gerne aufhalten – ganz ohne klassische Bankbarrieren“, sagt die Bereichsleiterin der Studentenberatung Sabine Derheld von der Stadtsparkasse München. „Finanzthemen kommen oft dann ins Spiel, wenn sich im Leben etwas verändert. Genau in diesen Momenten wollen wir Ansprechpartner auf Augenhöhe sein.“
»Wir wollten einen Ort schaffen, an dem junge Menschen sich wohlfühlen und gerne aufhalten – ganz ohne klassische Bankbarrieren.«
Bereichsleiterin der Studentenberatung Stadtsparkasse München
Die „barer41“ versteht sich damit als „Raum für frische Ideen“. Ein Motto, das nicht von ungefähr kommt, denn es zeigt sich auch im Alltag: Studierende nutzen als Besonderheit die beiden zugehörigen, kostenfrei buchbaren Projekträume mit Topausstattung für Gruppenarbeiten, andere kommen zum Lernen vorbei, wieder andere gezielt zur Beratung. Kaffee, WLAN und eine offene Atmosphäre gehören selbstverständlich dazu. Gleichzeitig bleibt die „barer41“ für alle offen – auch für ältere Kundinnen und Kunden, deren Anliegen bei Bedarf an andere Einheiten weitergeleitet werden.
Längerfristige Begleitung
Im Zentrum steht jedoch die persönliche Begleitung auf Augenhöhe. Die Themen reichen weit über klassische Bankgeschäfte hinaus. Steuererklärung im Studium, erste Schritte an der Börse oder Fragen zur Unternehmensgründung gehören ebenso dazu wie die grundlegende Orientierung in Finanzfragen. Jonas ist ein Beispiel dafür. Lange hatte er sein Erspartes einfach auf dem Girokonto liegen. „Ich wollte eigentlich irgendwann mal investieren, aber so richtig durchgestiegen bin ich nie“, erzählt er. In einem Beratungsgespräch in der „barer41“ wurde ihm verständlich erklärt, wie Fonds und ETFs funktionieren und wie sich auch mit kleinen Beträgen Vermögen aufbauen lässt. Heute investiert er monatlich 40 Euro in einen Fonds- und ETF-Sparplan. „Ich hätte nie gedacht, dass es so unkompliziert geht. Endlich verstehe ich, wie langfristiges Sparen wirklich funktioniert.“ Für ihn ist das nicht nur eine finanzielle Entscheidung, sondern auch ein Stück Sicherheit für die Zukunft.
„Viele junge Menschen kommen mit ähnlichen Fragen zu uns“, betont Sabine Derheld. „Es geht selten nur um ein Produkt. Es geht darum, Zusammenhänge verständlich zu machen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die zur jeweiligen Lebenssituation passen.“ Die Gespräche seien oft der Einstieg in eine längerfristige Begleitung.
Ein Ort für mehr als Beratung
Dass diese Form der Ansprache ankommt, zeigt sich auch an der Nutzung. Die „barer41“ hat sich in den Jahren seit ihrer Eröffnung schnell als Treffpunkt etabliert. Veranstaltungen, Workshops und Vorträge sind ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Themen wie Investmentstrategien, Steuerfragen oder persönliche Weiterentwicklung stehen dabei ebenso auf dem Programm wie informellere Formate.
Die hohe Nachfrage bestätigt den Ansatz: Die Projekt- und Lernräume sind nahezu vollständig ausgelastet, insbesondere zur Prüfungszeit am Semesterende. Für viele Besucherinnen und Besucher ist die Filiale damit mehr als ein Ort für Finanzfragen – sie wird Teil ihres Alltags. Auch Lena, 20, Studentin mit Nebenjob, hat diese unkomplizierte Zugangsmöglichkeit erlebt. „Ich wusste einfach nicht, wo ich anfangen soll“, sagt sie rückblickend. Themen wie Absicherung und Vorsorge erschienen ihr zunächst komplex und unübersichtlich. In der „barer41“ entwickelte sie gemeinsam mit einem Berater bzw. einer Beraterin eine Lösung, die zu ihrer Situation passt: eine Kombination aus Haftpflichtversicherung und einem frühen Einstieg in ein Lebenskonto über ETFs. „Es ist toll, dass mir alles so einfach erklärt wurde“, sagt sie. „Ich fühle mich jetzt abgesichert und weiß, dass ich früh für die Zukunft vorsorge.“ Für Lena war die Beratung ein wichtiger Schritt, sich selbstbewusst mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen.
Kurzprofil Stadtsparkasse München
Die Stadtsparkasse München wurde 1824 gegründet und gehört heute zu den führenden Finanzinstituten im Privat- und Firmenkundengeschäft der Stadt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte sie einen Jahresüberschuss von 48 Millionen Euro. Mit einer Bilanzsumme von 24 Milliarden Euro ist sie die viertgrößte Sparkasse Deutschlands. Die Stadtsparkasse München beschäftigt 2.376 Mitarbeitende, darunter 272 Auszubildende, und betreibt 41 Filialen im Stadtgebiet. 2025 unterstützte sie 257 gemeinnützige Projekte mit mehr als drei Millionen Euro.
Digitale Lösungen selbstverständlich integriert
So persönlich die Beratung vor Ort ist, so selbstverständlich sind digitale Angebote Teil des Gesamterlebnisses. Die App „Sparkasse“ bildet für viele junge Kundinnen und Kunden den zentralen Zugang zu ihren Finanzen. Funktionen wie Wero für schnelle Handy-zu-Handy-Zahlungen und das Wertpapierdepot S-Neo für Anlegerinnen und Anleger, die ihre Investments eigenständig steuern möchten, ergänzen das Angebot. Auch digitale Vermögenslösungen wie SmartVermögen lassen sich nahtlos integrieren.
Die „barer41“ zeigt, wie diese Kanäle zusammenwirken: als Verbindung aus persönlicher Nähe und digitaler Flexibilität. Beratungsgespräche können vor Ort stattfinden, werden aber bei Bedarf auch über Video, Chat oder Telefon geführt. Die „barer41“ ist damit kein Gegenentwurf zur digitalen Welt, sondern eine Ergänzung.
»Es geht selten nur um ein Produkt. Es geht darum, Zusammenhänge verständlich zu machen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die zur jeweiligen Lebenssituation passen.«
Bereichsleiterin der Studentenberatung Stadtsparkasse München
Neue Wege, klare Haltung
Mit Konzepten wie der „barer41“ reagieren die Sparkassen auf veränderte Erwartungen junger Menschen. Generationen wie Z und Alpha sind mit digitalen Angeboten aufgewachsen, suchen aber gleichzeitig Orientierung und persönliche Ansprache – insbesondere bei komplexen Finanzthemen. „Unser Anspruch ist es, junge Menschen frühzeitig zu begleiten und ihnen Sicherheit zu geben“, erklärt Sabine Derheld. „Dafür müssen wir auch neue Wege gehen – in der Ansprache, in den Formaten und in der Gestaltung unserer Standorte.“
Die Stadtsparkasse München sammelt mit der „barer41“ bewusst Erfahrungen. Doch es hat sich schon gezeigt, dass das Konzept funktioniert: als Ort, an dem Beratung nicht nur stattfindet, sondern Teil des Lebens wird. Für Jonas ist das längst selbstverständlich geworden. Die „barer41“ ist für ihn heute mehr als eine „Bankfiliale“: „Ich komme manchmal auch einfach so vorbei“, erklärt er. „Zum Lernen oder um jemanden zu treffen. Und wenn ich eine Frage habe, ist immer jemand da, der sie mir schnell beantwortet.“
Konzeptfilialen: „barer41“ und Co.
Mit der 2024 eröffneten „Filiale“ barer41 ist die Stadtsparkasse München bewusst neue Wege gegangen. Die Räume einer umgebauten traditionellen Filiale wurden unter dem Motto „Raum für frische Ideen“ als Beratungstreffpunkt für die junge Generation konzipiert. Zum Angebot gehören deshalb auch Events, Workshops und kostenlos mietbare Projekträume. Ähnliche Ansätze bei jungen Filialen der anderen Art verfolgen auch weitere Sparkassen, zum Beispiel unter den Namen „maxxs.“ in Bad Hersfeld, „Smoney“ in Düsseldorf oder „Klub zur hohen Kante“ in Berlin.